Wissenswertes zu den Blutplättchen beim Hund

Die Bestimmung der Thrombozyten beim Hund gehört bei der Fertigung eines Blutbildes zu den Standardleistungen. Der Tierarzt kann Anhand des Wertes sehen, wie gut die Blutgerinnung des Tieres ist. Sind die Thrombozyten zu hoch oder zu niedrig, kann das auf verschiedene Krankheiten hindeuten.

Blut abnehmen
Blut abnehmen beim Hund beim Tierarzt Copyright: Angurt

„Der Normbereich wird je nach Hunderasse zwischen 150 und 550 G/l (Giga pro Liter) festgesetzt.“

Was sind Thrombozyten?

Der Hund besitzt wie alle anderen Säugetiere drei verschiedene Arten der Blutzellen: die roten und die weißen Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) sowie die Thrombozyten. Letztere machen zwar bei der prozentualen Verteilung den kleinsten Anteil aus, sind aber nicht weniger lebensnotwendig.

Blutbestandteile © dpaelchen – Fotolia.com

Sie werden im deutschen Sprachraum auch als Blutplättchen bezeichnet, da das sowohl ihr Erscheinungsbild als auch ihre Grundaufgabe gut umschreibt: Thrombozyten sehen unter dem Mikroskop wie unregelmäßige Platten aus und sollen Gewebe verschließen, das auseinandergerissen ist.

Etwas detaillierter betrachtet, besitzen Thrombozyten kleine Verästelungen, mit deren Hilfe sie ihre Aufgabe erfüllen. Als wären dies Arme, können sie sich mit den Tentakeln an Wundrändern festhalten und ein wundschließendes Netz bilden. Die Blutplättchen verfügen jedoch nicht über eine einheitliche Form wie andere Zellkörper und es mangelt ihnen darüber hinaus an einem Zellkern.

Was leisten Thrombozyten?

Nicht immer laufen die Prozesse in den Blutgefäßen optimal ab. Es kann beispielsweise geschehen, dass Faktoren von außen den normalen Blutfluss stören. Beim Sturz des Hundes kann es zu Prellungen kommen oder er verletzt sich an scharfen Gegenständen. Auch Infektionen oder Krebsleiden können im Körperinneren (zunächst unbemerkt) für Störungen im Blutfluss sorgen.

Die Blutplättchen werden auf den Plan gerufen, wenn ein Notfall eintritt. Reißt Blutgewebe, muss die entstandene Lücke schnellstmöglich verschlossen werden, sonst tritt zeitnah ein lebensbedrohlicher Zustand ein.

„Die Thrombozyten sollen vor allem bei inneren und äußeren Wunde aktiv werden und diese schnell verschließen.“

Die Arbeit der Thrombozyten in drei Schritten

Die Fähigkeit, verletztes Gewebe zeitnah zu verschließen und damit Blutungen zu stoppen, läuft grob betrachtet in drei Schritten ab:

1. Sobald eine Blutung registriert wird, wandern die Blutplättchen in der unmittelbaren Nähe zum Ort der Verletzung und lagern sich dort an. Dabei entfalten sie ihre Verästelungen, um mehr Raum einnehmen zu können.

2. Nahezu gleichzeitig wird das Enzym Thrombin auf den Plan gerufen. Durch das Enzym können größere Mengen Fibrin gebildet werden. Fibrin ist ein Eiweiß, das klebrig ist und daher wie ein Klebstoff die Zellen fester verbindet.

3. Der Blutfluss trägt noch mehr Thrombozyten an der Wunde vorbei, die ihrerseits die Verästelungen nutzen können, um sich an dem beginnenden Wundverschluss zu beteiligen. Es dauert im Regelfall nur wenige Minuten, bis zehntausende Blutplättchen gemeinsam am Werk sind.

Dieser Vorgang im Ganzen, sprich der Zusammenschluss der Blutplättchen zu einer Einheit, wird auch als Thrombozytenaggregation bezeichnet.

Mögliche Symptome bei abnormalen Werten

Nur ein Besuch beim Veterinär kann klären, ob die Thrombozyten beim Hund zu hoch oder zu niedrig sind. Besitzer sollten bei typischen Symptomen ihres Vierbeiners aufmerksam werden und eine Blutuntersuchung beim Tierarzt anfragen, wenn:

  • der Hund permanent müde wirkt
  • das Tier Fieber bekommt
  • hörbare Herzgeräusche auftreten
  • Blutergüsse als Flecken sichtbar sind (an fellarmen Stellen oder um das Maul)
  • rote Flecken in den Augen auffallen
  • Urin/Kot blutig sind

Blutzellen

Erhöhte Thrombozyten Werte (Thrombozytose)

Der Tierarzt spricht von einer Thrombozytose, wenn sich bei der Blutanalyse erhöhte Thrombozyten beim Hund feststellen lassen. Der gestiegene Wert an Blutplättchen kann verschiedene Ursachen haben, denen in weiteren Diagnoseschritten auf den Grund gegangen werden muss. Neben vergleichsweise harmlosen Gründen können auch lebensbedrohliche Krankheiten vorliegen. „Der Normbereich von 150-500 G/l (Giga pro Liter) ist eine Orientierung. Je nach Größe des Hundes kann die Obergrenze auch unter 500 G/l liegen.“

Unterschieden wir in die reaktive Thrombozytose, Ursache sind anderweitige Grunderkrankungen und in die essentielle Thrombozythämie, diese gilt als eigenständige Knochenmarkserkrankung. Wir gehen hier weiter auf die Thrombozytose ein.

Zwei Faktoren können die Thrombozytose auslösen

Steigt die Thrombozytenzahl unnatürlich an, ist dies eine Beobachtung, die der Veterinär mit dem Fachbegriff Thrombozytose beschreibt. Der Überschuss an Blutplättchen beim Hund kann auf zwei Faktoren basieren:

1. Hyperproduktion

Im blutbildenden System werden zu viele der Zellkörperchen hergestellt. Daher verschiebt sich das Gleichgewicht hin zu einem Überangebot an Thrombozyten im Blut.

2. Abbauverzögerung

Haben Thrombozyten das Ende ihres Lebenszyklus erreicht, werden sie abgebaut und schaffen so Platz für neue Blutplättchen. Erfolgt der Abbau zu langsam, verschiebt sich das Gleichgewicht ebenfalls.

„Wichtig: Die Feststellung einer vorliegenden Thrombozytose ist noch keine Diagnose der Grunderkrankung. Diese muss im Folgenden durch weitere Schritte gefunden werden.“

Hund
Hund beim Tierarzt Copyright: 4 PM production bigstockphoto

Erhöhte Thrombozyten beim Hund Ursachen:

Eine reaktive Thrombozytose bei Hunden kann auftreten bei

  • bösartigen Tumoren,
  • chronisch-entzündlichen Erkrankungen,
  • akutem Blutverlust,
  • chronischem Eisenmangel

Ursache: Die Milz

Stellt der Veterinär erhöhte Thrombozyten beim Hund fest, wird er ohne bekannte Vorerkrankungen des Tieres zunächst die Milz im Verdacht haben. Sie ist das Organ, das unter anderem für den Abbau überalterter Thrombozyten zuständig ist.

Normalerweise haben die Blutplättchen einen kurzen Lebenszyklus und sind maximal zwei Wochen im Blut aktiv. Danach wandern sie in die Milz. Kommt diese ihrer Arbeit nicht nach, ist eine Thrombozytose denkbar.

Laborzentrifuge

Ursache: blutbildendes System

Wie auch die übrigen Blutkörperchen werden die Thrombozyten im Knochenmark gebildet. Ist nicht die Milz mit einem verzögerten Abbau die Ursache für das Ungleichgewicht, steht das Knochenmark unter Verdacht.

Durch Krankheiten innerhalb des blutbildenden Systems können zu viele Thrombozyten heranreifen und in die Gefäße gelangen. In diesem Fall liegt eine essentielle Thrombozythämie vor. Nicht selten ist Leukämie der Auslöser.

Erhöhte Thrombozyten beim Hund

Die reaktive Thrombozytose

Bei erhöhten Thrombozyten beim Hund ist auch denkbar, dass kein Organschaden vorliegt, sondern die Kommunikation der Organe untereinander gestört ist. In diesem Fall erfolgt über Botenstoffe die Aufforderung, mehr Blutplättchen zu produzieren, da angeblich ein Mangel vorliegt. Erhöhte Thrombozyten beim Hund sind in diesem Fall eine Reaktion auf fehlerhafte Körpersignale, weshalb man von der reaktiven Thrombozytose spricht.

Diese Fehlleistung kann unter anderem auf Viren oder Bakterien zurückgehen, weshalb der Tierarzt nach Entzündungsprozessen im Körper des Hundes suchen wird. Allerdings können auch Tumorzellen die falschen Signale senden, weshalb eine Krebserkrankung ebenfalls in Betracht gezogen werden muss.

Hämatologie veterinäre Blutuntersuchungen

Thrombozyten senken?

Hier muss man die Lebensumstände des Tieres betrachten. Die Krankengeschichte jedes Hundes ist sehr individuell. Der behandelnde Veterinär wird daher immer die näheren Umstände in seine Diagnoseschritte einbeziehen.

Möglich ist beispielsweise, dass der Hund bestimmte Medikamente nehmen muss, die sich auf die Konzentration der Blutplättchen ausgewirkt haben. Kommt es zu einer solchen Nebenwirkung, muss über eine Anpassung der Therapie nachgedacht werden.

Auch nach einer Operation kann der Thrombozyten-Wert einige Zeit erhöht sein. In manchen Fällen ist dann außer der Beobachtung kein Eingreifen notwendig.

Der Abbau der Thrombozyten erfolgt zwar vorrangig in der Milz, jedoch sind auch die Leber und die Lunge an der Arbeit beteiligt. Daher werden gegebenenfalls diese Organe ebenfalls untersucht.

Niedrige Thrombozyten beim Hund: Erkennen und Handeln

Genau wie beim Menschen kommen im Blut des Hundes Zellkörperchen vor, die bei Wunden für eine schnelle Gerinnung sorgen sollen: die sogenannten Blutplättchen oder auch Thrombozyten. Stellt der Tierarzt niedrige Thrombozyten beim Hund fest, sind verschiedene Ursachen denkbar. In den meisten Fällen muss gehandelt werden, da es sonst lebensbedrohlich für das Tier werden kann.

„Jenseits ihres Normbereiches liegen die Thrombozyten, wenn sie unter 150 G/l gefallen sind.“

Ein Überblick zu Thrombozytopenien

Ein Blutbild beim Veterinär hat gezeigt, dass niedrige Thrombozyten beim Hund vorliegen, daher spricht der Tierarzt von einer Thrombozytopenie.

„Dies ist der Oberbegriff für alle Formen, bei denen der Blutplättchenmangel besteht. Warum der Thrombozyten-Wert gering ist, kann die Beobachtung allein noch nicht aussagen.“

Grob unterscheidet man eine erblich bedingte und eine erworbene Thrombozytopenie:

1. Erste Form ist im Regelfall eine angeborene Fehlfunktion des Immunsystems. Daher spricht der Tierarzt auch von der chronischen Immunthrombozytopenie. Der Körper des Hundes bildet irrtümlicherweise Antikörper gegen seine eigenen Blutplättchen. Der zu starke Blutplättchenabbau sorgt für dauerhaft niedrige Thrombozyten beim Hund. Das Tier benötigt regelmäßig Infusionen, um die Anzahl der Blutplättchen ausreichend hoch zu halten.

2. Eine erworbene Thrombozytopenie kann sehr viele Ursachen haben, die entsprechend sehr unterschiedlich therapiert werden. Zu den denkbaren Hintergründen zählen etwa Leukämie, verschiedene Infektionskrankheiten oder Störungen in der Milzfunktion.

Die Splenomegalie als Ursache

Bei den erworbenen Formen der Thrombozytopenie steht zuerst die Milz im Verdacht. Sie erfüllt im gesunden Zustand unter anderem die Aufgabe, alte Zellen abzubauen. Bei einer Splenomegalie ist sie krankhaft vergrößert und zeigt eine Hyperfunktion. Daher werden mehr Thrombozyten als normal abgebaut und es kommt zu einem Mangel.

Der Grund für die Milzvergrößerung kann unterschiedlich sein. Denkbar sind Infektionen mit Viren oder Bakterien, die da sGewebe im Zuge des Entzündungsprozesses anschwellen lassen. Allerdings kann auch Krebs als Auslöser in Betracht kommen. Um dem Hund zu helfen, muss die jeweilige Grunderkrankung therapiert werden.

Erworbene Thrombozytopenie durch Knochenmarkserkrankungen

Der Veterinär kann, so denn nicht die Milz als Auslöser infrage kommt, weitere Ursachen abklären. Es kann eine Störung im blutbildenden System vorliegen. Die Thrombozyten entstehen wie auch die weißen und roten Blutkörperchen direkt im Knochenmark. Die Blutplättchen entwickeln sich aus Megakaryozyten und werden nach der Reifung ins Blut abgegeben.

Eine Erkrankung im blutbildenden System kann zu einer geringeren Anzahl an Thrombozyten führen, beziehungsweise Fehlbildungen hervorbringen, die ihre Funktion der Blutgerinnung nur unzureichend nachkommen können.

Woran erkennen Hundehalter zu niedrige Thrombozyten?

Ein Hund mit Blutplättchenmangel wird zu Blutungen neigen, da die Gerinnung gestört ist. Verletzt sich das Tier minimal, dauert es ungewöhnlich lange, bis die Blutung gestoppt ist.

„Größere Wunden können zu einem lebensbedrohlichen Blutfluss führen, weshalb sofort eine Tierklinik aufzusuchen ist.“

Der Vierbeiner kann man Rennen und Spielen auch plötzliches Nasenbluten bekommen. Der gestiegene Blutdruck bei körperlicher Aktivität verletzt die feinen Gefäße, die ihrerseits ohne ausreichend Blutplättchen nicht schnell genug geschlossen werden.

Möglich sind auch kleine Einblutungen in den Augen, da die Gefäße hier sehr dünn und sensibel sind. In den Augen des Hundes erscheinen dann kleine, rote Punkte.

Auch der Kot oder Urin kann rötlich durchsetzt sein. Bei diesem Warnsignal sollte ebenfalls sofort der Tierarzt aufgesucht werden, da innere Blutungen denkbar sind.

 

Quellen und Nachweise:

  • Die Analyse retikulierter Thrombozyten beim Hund mit den Hämatologiegeräten Sysmex XT-2000iV und ADVIA 120/2120 (Edition Scientifique) Taschenbuch – 1. März 2015 von Dana Oellers (Autor)
  • Thrombozytopenien beim Hund, abgerufen auf thieme.de/ Fachtext