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Wunderwerk Katzenzunge: Warum ist eine Katzenzunge rau?

Die Katzenzunge: Werkzeug für Fressen, Trinken und Fellpflege

Hast du dir die Zunge deiner Katze schon mal angesehen oder das raue Gefühl gespürt, wenn sie dir damit über den Handrücken leckt? Die kleinen Stubentiger besitzen einen anderen Zungenaufbau als der Mensch und sind damit perfekt auf ihre Lebensbedürfnisse angepasst. Wage einen Blick auf den Aufbau und die Funktion der Katzenzunge.

Die Katzenzunge ist ein langer Muskel, der auf den ersten Blick der menschlichen Zunge recht ähnlich ist. In einem zarten Rosaton füllt sie den Mundraum aus und ist wichtig für die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Doch wieso haben Katzen eine raue Zunge? Die Antwort darauf liefern die sogenannten Papillen.

Katzernzunge

Die Katzenzunge: ein kleines Wunderwerk – Copyright: webkatrin – bigstockphoto.com

 

Drei verschiedene Arten von Papillen auf der Katzenzunge

Eine Katze besitzt auf ihrer Zunge insgesamt drei verschiedene Arten von Papillen:

  1. tassenförmige Papillen
  2. hakenähnliche Papillen
  3. pilzförnige Papillen

Während sich die tassenförmigen im hinteren Maulbereich auf der Zungenwurzel befinden und die pilzförmigen Papillen in einer dünnen Linie am Zungenrand angeordnet sind, machen die hakenähnlichen Papillen den Großteil der Zungenfläche aus. Darum fühlt sich eine Katzenzunge insgesamt rau an.

Zahnwechsel

Katzenzunge – Copyright: Johnnie Runner, Bigstockphoto

 

Wofür sind die hakenähnlichen Papillen gut?

Entscheidend dafür, dass die Katzenzunge so rau ist, sind also die hakenähnlichen Papillen, die in der Fachsprache auch „Papillae filiformes“ genannt werden. Sie bestehen aus Hornhaut. Genauer handelt es sich um winzige Hornzähnchen, deren Ausrichtung zum Rachenraum zeigt. Sie sind nach hinten gerichtet, damit deine Katze bei der Leckbewegung nicht mit, sondern gegen die Zahnausrichtung arbeiten kann. Wäre es anders herum, käme kein rauer Effekt zustande.
Doch warum hat die Evolution diesen Weg genommen?

Die tassen- und pilzförmigen Papillen dienen deiner Katze zur Geschmacksbestimmung und helfen beispielsweise, verdorbenes Futter von verdaulichen Dingen zu unterscheiden. Die hakenähnlichen Papillen haben mit dem Geschmack nichts zu tun, sondern erfüllen drei Funktionen:

1. Sie helfen beim Fressen, denn sie können Fleisch von Knochen abreiben.
2. Ihre Struktur verhindert, dass Wasser beim Saufen sofort von der Zunge läuft.
2. Sie dienen als „natürliche Haarbürste“.

 

Die Katzenzunge – Ein Blick ins Detail: beim Fressen und Saufen

Da die Katzenzunge vergleichsweise wenig Geschmacksknospen besitzt, gehört der Sinneseindruck des Schmeckens nicht zu ihrer Hauptaufgabe. Dennoch ist die Katzenzunge perfekt auf die Bedürfnisse deines Vierbeiners ausgerichtet.

Die Hornhautschicht der hakenartigen Papillen verleiht deiner Katze eine Art „angeborenes Schleifpapier“. Sie kann damit harte Futterbestandteile zerreiben. In der Natur diente das vor allem dem Abreiben von Fleischresten an einem Knochen. Die moderne Hauskatze nutzt die raue Oberfläche eher bei Trockenfutter und um Spielzeug auf seine Fressbarkeit zu testen.

Bei der Flüssigkeitsaufnahme beugt sich deine Katze über den Napf oder draußen über eine Pfütze. Da der Kopf dabei nach unten zeigt, würde bei der reinen Zungenbewegung viel Flüssigkeit aus dem Maul laufen, bevor die Katze es schlucken kann. Die winzigen Widerhaken auf der Oberfläche verhindert das gekonnt, sodass mehr Wassertropfen auf der Katzenzunge verbleiben.

 

Die intensive Fellpflege mit der Katzenzunge

Bereits die Katzenkinder lernen von ihren Elterntieren, wie wichtig eine tägliche Fellpflege ist. Sie nutzen dafür maßgeblich ihre Zunge und maximal die Vorderpfoten für den Hinterkopf. Die Katzenzunge dient dabei dank der Häkchen als natürliche Bürste, in der nicht nur loses Fell hängen bleibt, sondern auch Hautschuppen und Schmutz.

Die Zunge arbeitet dabei mit den Zähnen zusammen. Vermutlich hast du schon einmal gesehen, wie deine Katze nicht nur über ihr Fell leckt, sondern an manchen Stellen vorsichtig daran knabbert. Dieses sanfte Hineinbeißen bringt die Schneidezähne in Position. Mit ihnen werden feste Dreckstückchen oder Ungeziefer aus dem Fell gelöst. Sobald sie gelockert sind, leckt die Katzenzunge darüber und sammelt die losen Dinge auf.

Gut zu wissen: Damit die Katzenzunge der intensiven Fellpflege gerecht wird, muss sie stets befeuchtet sein. Auf der Zunge befinden sich daher neben der Schleimhaut auch mehrere Speicheldrüsen. Diese sondern sowohl beim Fressen als auch bei der Fellpflege ihren Speichel ab. Tatsächlich verliert deine Katze bei ihrem täglichen Putzen so viel Speichel, dass sie danach frisches Wasser trinken muss. Stelle ihr also nicht nur beim Fressen, sondern jederzeit einen Trinknapf bereit.

 

Wunderwerk Katzenzunge

Tiermediziner konnten inzwischen nachweisen, dass die Widerhaken der Katzenzunge nicht permanent aufrecht stehen. Erst beim Fressen, Trinken oder der Fellpflege richten sich die winzigen Stacheln auf und erfüllen ihre Funktionen. Gleichzeitig wird die Katzenzunge aufgrund einer besseren Durchblutung etwas breiter, damit mehr Fläche zur Verfügung steht.

Während deine Katze das Maul geschlossen hat, dürfte ihre sonst so raue Zunge also eher weich sein. Dieser Mechanismus ist sehr praktisch, denn auf diese Weise reizt die Katzenzunge nicht den Rachenraum und das Zahnfleisch. Gleichzeitig können die bei der Fellpflege gelösten Haare und der Schmutz leichter geschluckt werden. Bliebe die Zunge weiterhin rau, hätte deine Katze Probleme, die kleinen Fellbällchen wieder loszuwerden.

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