Scheidenausfluss bei einer Hündin kann Teil der Läufigkeit, Trächtigkeit oder Zeit nach der Geburt sein. Er kann aber auch auf eine Entzündung, Verletzung oder eine lebensbedrohliche Gebärmuttervereiterung hinweisen. Farbe und Konsistenz allein reichen nicht für eine sichere Diagnose. Entscheidend sind Zeitpunkt, Geruch, Menge und der Allgemeinzustand der Hündin.

Warnzeichen für einen schnellen Tierarztbesuch
- eitriger, übel riechender oder zunehmend blutiger Ausfluss
- Apathie, Fieber, Erbrechen oder fehlender Appetit
- ungewöhnlich starker Durst und häufiges Urinieren
- schmerzhafter, gespannter oder deutlich vergrößerter Bauch
- Ausfluss während einer Trächtigkeit oder ein schlechter Allgemeinzustand nach der Geburt
Bei Kreislaufproblemen, blassen Schleimhäuten, Schwäche oder Kollaps handelt es sich um einen tiermedizinischen Notfall.
Vaginalausfluss richtig einordnen
Tiermediziner sprechen von vaginalem Ausfluss, wenn Sekret oder Flüssigkeit aus Vulva beziehungsweise Scheide austritt. Die Quelle kann in der Scheide, der Gebärmutter oder den Harnwegen liegen. Schleimiger, blutiger, grünlicher oder eitriger Ausfluss hat deshalb nicht automatisch nur eine bestimmte Ursache.
Als Züchterin kenne ich meine Hündinnen und achte auf Veränderungen ihres Körpers. Diese Erfahrung hilft beim Beobachten, ersetzt aber keine Untersuchung. Besonders wichtig ist der Vergleich mit dem normalen Zyklus der einzelnen Hündin: Menge, Farbe, Geruch und Begleitsymptome sollten notiert werden. Ein Foto auf dem Handy kann der Tierarztpraxis zusätzlich helfen.
Häufige Ursachen außerhalb der Trächtigkeit
Zu den möglichen Ursachen zählen:
- Läufigkeit
- Entzündung der Scheide oder des Scheidenvorhofs
- Harnwegsinfektion oder Harninkontinenz
- Fremdkörper, Verletzung oder anatomische Besonderheiten
- Tumoren oder selten Gerinnungsstörungen
- Gebärmutterentzündung beziehungsweise Pyometra
Bei einer Vaginitis können Schleim, Eiter oder selten Blut sichtbar sein. Häufig kommen vermehrtes Lecken, häufiges Urinieren oder eine gerötete Vulva hinzu. Eine pauschale Spülung oder vorsorgliche Antibiotikagabe ist nicht sinnvoll. Je nach Verdacht untersucht die Tierarztpraxis Urin, Abstrich oder Zellen und nutzt bei Bedarf Ultraschall oder Röntgen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.
Ausfluss während der Läufigkeit
Die erste Läufigkeit beginnt bei vielen Hündinnen ungefähr zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat. Kleine Rassen sind häufig früher, große Rassen später dran. Einzelne Hündinnen werden auch erst mit 15 Monaten oder später erstmals läufig. Neben der geschwollenen Vulva ist zunächst meist blutiger Ausfluss sichtbar, der im weiteren Verlauf heller und wässriger werden kann.
Die Menge unterscheidet sich erheblich. Meine Hündinnen verlieren während ihres Zyklus deutlich sichtbar Blut, während sich sehr reinliche Tiere intensiv putzen und kaum Spuren hinterlassen. Ein Läufigkeitshöschen schützt Möbel und Böden, darf aber nicht scheuern und muss regelmäßig gewechselt werden. Starker Geruch, Eiter, Schmerzen oder ein schlechter Allgemeinzustand gehören nicht zu einer normalen Läufigkeit.
Pyometra als akuter Notfall
Eine Pyometra ist eine schwere Infektion der Gebärmutter, die meist einige Wochen nach der Läufigkeit auftritt. Sie steht vor allem mit hormonellen Veränderungen und einer krankhaft veränderten Gebärmutterschleimhaut in Zusammenhang. Bakterien können zusätzlich aufsteigen; mangelnde Hygiene beim Deckakt ist jedoch keine ausreichende Erklärung für die Erkrankung.
Bei einer offenen Pyometra kann eitriger oder blutiger Ausfluss abfließen. Das macht die Erkrankung nicht mild oder ungefährlich. Bei einer geschlossenen Pyometra fehlt der sichtbare Ausfluss, während sich Sekret in der Gebärmutter sammelt. Beide Formen können zu schwerer Entzündung, Organschäden und Kreislaufversagen führen.
Typische Begleitzeichen sind Mattigkeit, Fressunlust, Erbrechen, Fieber, vermehrtes Trinken und Urinieren sowie ein schmerzhafter oder vergrößerter Bauch. Jede unkastrierte Hündin, die nach einer Läufigkeit krank wirkt, sollte unverzüglich tierärztlich untersucht werden. Informationen zu Nutzen und Grenzen des Eingriffs findest du ergänzend im Ratgeber zur Kastration beim Hund.
Ausfluss während der Trächtigkeit
Wenn eine meiner Hündinnen belegt ist, beobachte ich Veränderungen besonders aufmerksam. Dabei gilt: Ein einzelner klarer oder schleimiger Tropfen beweist keine Trächtigkeit. Auch ein sogenannter Schleimpfropf um den 14. Tag ist kein verlässlicher Schwangerschaftstest. Sicherheit geben erst tierärztliche Untersuchungen, insbesondere ein Ultraschall zum geeigneten Zeitpunkt.
Kurz vor der Geburt kann klares bis leicht trübes, zähes Sekret auftreten. Grüner oder schwarzer Ausfluss vor dem ersten Welpen, deutliche Blutungen, übler Geruch, starke Schmerzen oder erfolglose Presswehen verlangen sofortige tierärztliche Rücksprache. Während der Geburt können Fruchtwasser und unterschiedlich gefärbte Sekrete sichtbar werden; ihr zeitlicher Zusammenhang mit den Wehen ist für die Beurteilung wichtig.
Nach einem Abort oder dem Absterben von Föten kann auffälliger Ausfluss vorkommen, muss aber nicht. Deshalb sollten Appetitverlust, Fieber, Schmerzen oder eine plötzliche Veränderung des Bauchumfangs während der Trächtigkeit immer abgeklärt werden.
Wochenfluss nach der Geburt
Nach der Geburt sondert die Gebärmutter Lochien, also Wochenfluss, ab. Normaler Wochenfluss ist zunächst dunkelrot bis fast schwarz oder grünlich, geruchlos und nimmt mit der Zeit ab. Häufig ist er etwa drei bis vier Wochen sichtbar. Hält blutig-wässriger Ausfluss länger als sechs Wochen an, kann eine verzögerte Rückbildung der Plazentahaftstellen dahinterstecken.
Zunehmende Menge, fauliger Geruch, Fieber, Mattigkeit, fehlende Milch oder mangelnde Fürsorge für die Welpen passen nicht zu einem normalen Verlauf. Eine Gebärmutterentzündung nach der Geburt muss von normalem Wochenfluss, Verletzungen und anderen Ursachen unterschieden werden.
Untersuchung und Vorbereitung auf den Termin
Notiere Beginn, Farbe, Geruch und Menge des Ausflusses sowie das Datum der letzten Läufigkeit. Miss nur dann die Körpertemperatur, wenn deine Hündin das stressfrei zulässt. Informationen zu Trächtigkeit, Geburt, Medikamenten, Kastrationsstatus, Trinkmenge und Urinabsatz helfen der Praxis bei der Einordnung.
Je nach Befund kommen körperliche Untersuchung, Blut- und Urinuntersuchungen, Vaginalzytologie, Ultraschall oder Röntgen infrage. Verwende bis dahin keine Desinfektionsmittel, Spülungen oder Medikamente in der Scheide. Solche Maßnahmen können Gewebe reizen, Befunde verändern und eine gezielte Behandlung erschweren.
Unser Fazit zu Scheidenausfluss bei der Hündin
Ausfluss kann zum Zyklus oder zur Rückbildung nach der Geburt gehören, er kann aber auch das erste sichtbare Zeichen einer ernsten Erkrankung sein. Ein eitriger oder übel riechender Ausfluss und jede Verschlechterung des Allgemeinzustands gehören rasch in tierärztliche Hände. Bei einer Pyometra zählt Zeit, unabhängig davon, ob der Muttermund offen oder geschlossen ist.
FAQ zu Scheidenausfluss bei der Hündin
Ist blutiger Ausfluss bei einer Hündin immer Läufigkeit?
Nein. Blutiger Ausfluss kann zur Läufigkeit gehören, aber auch durch Verletzungen, Entzündungen, Erkrankungen der Harnwege oder eine Pyometra entstehen. Außerhalb des erwarteten Zyklus oder bei Begleitsymptomen sollte er tierärztlich abgeklärt werden.
Kann eine Hündin trotz Pyometra keinen Ausfluss haben?
Ja. Bei einer geschlossenen Pyometra kann sich Eiter in der Gebärmutter sammeln, ohne dass außen Sekret sichtbar ist. Mattigkeit, viel Trinken, Erbrechen oder ein gespannter Bauch nach der Läufigkeit sind deshalb besonders ernst zu nehmen.
Wie lange ist Wochenfluss nach der Geburt normal?
Normaler Wochenfluss nimmt allmählich ab und ist häufig drei bis vier Wochen sichtbar. Bleibt blutig-wässriger Ausfluss länger als sechs Wochen bestehen oder wird er stärker beziehungsweise übel riechend, ist eine Untersuchung erforderlich.
Beweist klarer Schleim eine Trächtigkeit?
Nein. Aussehen und Zeitpunkt eines Schleimtropfens reichen nicht aus, um eine Trächtigkeit sicher festzustellen. Eine tierärztliche Untersuchung zum passenden Zeitpunkt liefert eine deutlich zuverlässigere Aussage.
Darf die Scheide zu Hause gespült werden?
Vaginale Spülungen werden ohne tierärztliche Anweisung nicht empfohlen. Sie können die Schleimhaut reizen, die normale Flora stören und die spätere Diagnostik erschweren.
Quellen
- American College of Veterinary Surgeons: Pyometra
- Merck Veterinary Manual: Metritis in Small Animals
- Merck Veterinary Manual: Subinvolution of Placental Sites








