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Von wem stammt der Haushund ab?

Theophil Rudolf Studer war ein bedeutender Schweizer Mediziner, Kynologe und Zoologe. Er hat unterschiedliche Forschungen in der Anatomie, Kynologie und Zoologie unternommen. Im Folgenden widme ich mich Theophil Studers Biografie und seiner These zur Kynologie.

Kynologe Theophil Studer

Theophil Studer ist am 27. November 1845 in Bern als Sohn eines Theologieprofessors geboren. 1865 studierte er Medizin an der Universität Bern und beendete sein Studium erfolgreich mit dem medizinischen Staatsexamen.

Danach zog es ihn nach Leipzig, wo er Zoologie studierte. Nach dem deutsch-französischen Krieg kehrte er 1871 in seine Heimat nach Bern zurück. Er beendete sein Zoologiestudium, um danach zu promovieren und sich in die wissenschaftliche Arbeit der Entwicklung der Vogelfeder zu stürzen.

Als Mitglied der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft war der Kynologe 1871 am naturhistorischen Museum angestellt. Er arbeitete nebenamtlich als Konservator und war zugleich der Direktor der zoologischen Sammlungen dieses Museums. Theophil Studer hatte ein spannendes Leben, denn er war Zoologe, Arzt und Fotograf bei dem Weltumsegler-Forschungsschiff Gazelle. Zudem gab er Vorlesungen in der vergleichenden Anatomie an der Tierarzneischule in Bern.

In seinen Forschungen beschäftigte Studer sich mit der Ornithologie und der Paläontologie. Seine eigentliche Leidenschaft galt der Kynologie. Die heute bedeutendste Sammlung von über 2500 Hundeschädeln der Albert Heimstiftung geht auf diesen besonderen Mann zurück.

Wissenswertes zur Entstehung der Hunderassen

Die Theorie vom Ur-Hund und die Entwicklung der deutschen Rassehunde

Im Zuge ihrer Entwicklungsgeschichte haben sich die Hunde von ihren einstigen Pflichten emanzipiert und den Weg auf unser Sofa gefunden. Mit der Verherrlichung einzelner Hunderassen begann die Vermenschlichung des einstig wild lebenden Tieres. Die Epoche von Mensch und Haustier hält bis zum heutigen Tage an.

So sprach der Hundepapst und Biologe Erik Zimen davon, dass der Mensch sich seinen Hund zu dekorativen Zwecken hielt und ihn nach allen Kräften verwöhnt. Die so genannte Verhätschelung der Hunde wurde oftmals kritisiert. Schließlich begann der Mensch damit, sich seinen Gefährten nach persönlichen Vorstellungen zu formen und zu verändern. Damit einher ging die Zucht verschiedener Hunderassen.

Die einzelnen Zuchtziele legten ihr Hauptaugenmerk auf die Funktion und den Einsatz des Hundes, wie als

  • Polizeihund
  • Blindenhund
  • Kampfhund
  • Jagdhund
  • Hütehund

Theophil Studer und die These vom Urhund

Als in den späteren Jahren auch die politischen Ziele hinzukamen, wurde der Hund zum Spiegelbild seiner Gesellschaft und der jeweiligen Epochen. Mit dem 19. und hin zum 20. Jahrhundert stand die Rassenfrage im Zentrum des Interesses

Der Schweizer Hundehistoriker Theophil Studer vertrat die Theorie vom Ur-Hund. Nach seinen Vorstellungen war das ein Wildhund, der neben dem Schakal, dem Wolf und anderen Wildhundarten in Eurasien lebte.

Doch seine Theorie hatte einen großen Haken. Sie konnte niemals durch historische oder archäologische Funde belegt werden. Das brachte den Direktor des naturhistorischen Museums aber nicht von seiner Idee ab. Andere Wissenschaftler gingen davon aus, dass die Entwicklung der Hunderassen nicht einen Anfangspunkt, sondern vielmehr einen Endpunkt markierte.

Im Zuge des 19. Jahrhunderts nahmen die deutschen Hunderassen und ihre besonderen Eigenschaften enorm an Bedeutung zu. Einst orientierte man sich am britischen Vorbild, aber mit dem zunehmenden Nationalismus rückten die deutschen Tugenden auch beim Hund in den Vordergrund. So erklärte Reichskanzler Otto von Bismarck die deutsche Dogge damals zum Reichshund.

Zu einem Inbegriff der deutschen Rassehundezucht wurde zunehmend der Deutsche Schäferhund. Anfangs setzte man diese Rasse als Hund in Schafzuchtgebieten ein. Rittmeister Max von Stephanitz und damaliger Offizier entwickelte den Ehrgeiz, aus dem einstigen Schäferhund eine leistungsstarke Rasse zu züchten. Seine Oberlinie, der edle Kopf und der ausgeprägte Mut kamen in Horand und seinem Bruder Luchs zum Ausdruck, von denen heute die meisten Deutschen Schäferhunde abstammen. Dieses Rassebeispiele sollen aufzeigen, wie eng die Entwicklung der Hunderassen mit der Gesellschaft und den Vorstellungen des Menschen zusammenhängt.

Theophil Studers Theorie zu den Urrassen

In den Theorien über die Urrasen des Haushundes geht eine der bedeutendsten Thesen auf Theophil Studer zurück. Er stellte insgesamt fünf hypothetische Urrasen gegenüber. Diese Erkenntnis und These verlief parallel zur Hypothese des Ur-Menschen durch Ludwig Wilser.

1901 postulierte Theophil Studer den Canis ferus. Er meinte damit einen dingo-ähnlichen Wildcaniden.

Zum damaligen Zeitpunkt ging er davon aus, dass alle Hunde vom Canis ferus abstammen. Der Mensch domestizierte nach seiner These den Canis ferus zum Canis poutiantini, den Urhund. Daraus sollten sich die folgenden 3 Urrassen entwickeln:

1. Canis leineri: die Stammform der irischen Wolfshunde und der Windhunde
2. Canis intermedius: die Stammform der Jagdhunde
3. Canis matris-optimae: die Stammform der Schäferhunde

Aus einer Kreuzung zwischen dem Wolf und dem Urhund sollte eine vierte Urrase hervorgehen: der Canis inostranzeni, womit er die Stammform der nordischen Hunde, der Mastiffs und des Deutschen Schäferhunde meinte.

Die heutigen Erkenntnisse zu Studers These der Urrassen

Die heutigen Forschungen haben die Hypothese der Urrassen widerlegt. So gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Formenvielfalt in den Haushunden durch die Domestizierung des Menschen gekennzeichnet ist und sich nicht auf bestimmte Zuchtlinien bezieht. Die Zusammenfassung als die Urrasse wird als fehlerhaft angesehen. Werfen wir einen Blick auf moderne DNA Analysen lassen sich die damaligen Herleitungen des Kynologen in einem anderen Licht sehen. So gehen diese Befunde davon aus, dass der Haushund vom Wolf abstammt.

Im 18. Jahrhundert gingen einige Wissenschaften davon aus, dass der Schakal der mögliche Vorfahre der Hunde ist. Studer hingegen skizzierte eine fünfte Urrasse, den Canis palustris, der wohl aus einer Kreuzung aus dem Urhund und dem Goldschakal hervorgegangen ist. Hier ist von dem Stammbaum der Terrier, der Spitze und der Pinscher sowie der Chow-Chows auszugehen. Auch hier ist es durch die DNA Analyse möglich, die Abstammung vom Schakal eindeutig zu widerlegen.

Kynologe antwortet: Von wem stammt der Haushund ab?

Heute wissen wir, die Haushunde gehen in ihrer Abstammung auf den Wolf zurück. Die These des Kynologen Theophil Studer konnte vollständig widerlegt werden. Er war der Ansicht, dass der Haushund zum Teil auf dem Goldschakal in der Abstammung zurückgeht. Ein anderer bekannter Kynologe seiner Zeit war Erich Zimen. Er postulierte den Begriff der Hauswölfe.

Damit meinte er die Wölfe, die mit Menschen zusammen lebten und eine soziale Beziehung eingingen. Im Gegensatz zu den Haushunden wurden sie noch nicht domestiziert und haben keine genetischen Veränderungen durchgemacht.

Aus archäologischen Ausgrabungen ging eine Domestizierung von Hunden heraus, die in Gemeinschaftsgräbern mit dem Menschen eingegraben wurden. Diese Funde sind ca. 14.000 Jahre alt und haben die gesamte Forschung rund um den Haushund und die Domestizierung durcheinandergebracht.

Eine der bedeutendsten kynologischen Sammlungen der Welt

Ein wichtiges Erbe Stubers ist bis heute eine der bedeutendsten kynologischen Sammlungen der Albert Heim Stiftung. Sie umfasst ca. 2.500 Hundeschädel aus aller Welt. Darüber hinaus umfasst die Sammlung Felle und Skelette aus unterschiedlichen Zeitepochen, was dieser Sammlung internationale Bedeutung zuspricht.

Zum ersten Mal waren die Knochen von Haustieren und Wildtieren aus den jungsteinzeitlichen Siedlungen um 3.500 vor Christi zu sehen. Der Kynologe begann mit der Sammlung, um für seine Forschungen zum Haushundeschädel und Wildschädel Vergleichsobjekte zu bekommen. Professor Franz Baumann erkannte sofort den immensen Wert dieser Sammlung und fand in der schweizerischen Kynologischen Gesellschaft finanzielle Unterstützung, um die Sammlung weiter ausbauen zu können.

Theophil Studer Ausstellung „Barry der Menschenretter“

Bis zum heutigen Tage ist es möglich, den Barry – einen präparierten Hund – mit Originalfell und Originalschädel als eines der ersten Objekte dieser Sammlung zu begutachten. Der Bernhardiner stammt aus den Jahren rund um 1800 und wurde insgesamt dreimal präpariert.

1923 erfolgte seine letzte Präparation und eine schriftliche Rekonstruktion. Barry konnte mehr als 42 Menschen vor dem Tod bewahren, denn als Bernhardiner fand er verschüttete und verirrte Menschen.

Quellen und Literatur

  • These vom Urhund / Urrasse erklärt↑
  • Wikipedia Theophil Rudolf Studer weiter↑
  • Bildlizenzen: Dodd, Mead and Company [Public domain], via Wikimedia Commons