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Ein Blutbild (Hämogramm) ist auch bei Hunden eine standardisierte Aufstellung aller wichtigen Befunde aus einer Blutprobe. Über das Blutbild bekommt der Tierarzt die detaillierten Blutwerte von ihrem Hund. Hier können Sie die individuellen Messergebnisse mit den Normwerten vergleichen. Zumeist ergibt sich erst über die Kombination verschiedener Messungen ein tatsächliches Bild vom gesundheitlichen Gesamtzustand des Hundes. Im Folgenden wollen wir uns alle Blutwerte ansehen.Tierwissen weiterlesen

Hämatologie, Computer Hämatogram
Quelle: https://www.grossesblutbild.de/grosses-blutbild.html

Blutbild beim Hund

Die Parameter, die bei den Standarduntersuchungen zum Einsatz kommen, nennen wir Blutwerte. Zumeist braucht der Tierarzt nur ganz bestimmte Werte für die weiterführende Behandlung. Dennoch liefert ein komplexes Blutbild die gesamte Palette im Rahmen einer klinisch chemischen Blutuntersuchung.

Abweichungen der Blutwerte ihres Hundes von den genannten Normwerten können Anhaltspunkte für Infektionen, Entzündungen, Immunschwäche, Blutgerinnungsstörungen und Allergien sein. Da die Werte variieren müssen Sie ein Blutbild immer mit ihrem Veterinär/Tierarzt absprechen.

Tabelle der hämatologischen und klinisch-chemischen
Referenzwerte für Hunde

Laborwert
Grenzwerte
Einheiten
Bilirubin
bis 3,5
umol/1
GPT (ALT)
bis 55
IU/I
GLDH
bis 6
IU/I
GGT
bis 5
IU/I
GOT (AST)
bis 25
IU/I
LDH
bis 100
IU/I
AP
bis 108
IU/I
HBDH
bis 40
IU/I
CK
bis 90
IU/I
CHE
1500 – 3000
IU/I
BZ – Glukose
55 – 120
mg/dI
Chol
120 – 390
mg/dI
Trigl
25 – 340
mg/dI
Harnstoff
3,3 – 8,3
mmoI/I
Krea
0,4 – 1,2
mg/dI
Gesamt Eiweiß,
5,4 – 7,5
g/dl
Phosphor
0,7 – 1,6
mmoI/I
Harnsäure
6 – 65
mmoI/I
Ca
2,3 – 3,0
mmoI/I
Na
140 – 155
mmoI/I
Ka
3,5 – 5,1
mmoI/I
Chlorid
96 – 113
mmoI/I
Mg
0,6 – 1,3
mmoI/I
Eisen
100 – 170
ug/dI
alpha – Amylase
bis 1650
IU/I
Lipase
bis 300
IU/I
Laborwert
Grenzwerte
Einheiten
HB-Wert Hämoglobin
15-19
g/dl
HK-Wert Hämatokrit
44-53
%
Erythrozyten
5,6-8,9
Mill/uI
MCHC Wert
mittlere korpuskuläre Hämoglobin-Konzentration
31 – 34
g/dl
MCH Wert mittlere korpuskulärer Hämoglobingehalt pro Erythrozyt
17 – 23
pg
MCV Wert
mittlere korpuskuläres Volumen
60 – 70
um
Thrombozyten
150 – 500
x10/ul
Leukozyten
6 – 12
Tsd/uI
Eosinophile
0-6
%
Stabkernige
0 – 4
%
Segmentkernige
55 – 75
%
Lymphozyten
13 – 30
%
Basophile
0 – 1
%
Monozyten
0 – 4
%

Blutwerte und Elektrolyte bestimmen

Ebenso bedeutend für den Organismus ist eine Harmonie der drei Elektrolyte: Natrium, Kalium und Chlorid. Eine Abweichung in den Elektrolytwerten kann für den Hund schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand werden. Leiden die Tiere unter Durchfall, Erbrechen und Herzbeschwerden, ist eine Beurteilung der Erkrankung ohne die Elektrolytwerte kaum möglich.

Blutwerte beim Hund Blutwerte beim Hund

Was bedeuten die Blutwerte für den Hund?

Der Abfall der roten Blutkörperchen hat für die Gesundheit des Hundes eine größere Bedeutung als der Anstieg. So sinkt der Hämatokrit, wenn zu wenig rote Blutkörperchen vorhanden sind. Auch eine Abweichung in den Hämoglobinwerten können auf eine Blutarmut oder Anämie hindeuten. Die Ursachen dafür sind vielfältiger Natur. Sie können auf Autoimmunerkrankungen, starke Blutverluste nach einem Unfall oder eine Bissverletzung sowie innere Blutungen oder Störungen im blutbildenden Gewebe hinweisen. Stellt der Tierarzt im Blutbild einen Anstieg junger Erythrozyten fest und liegt eine Anämie vor, kann dies positiv gedeutet werden. Es ist nämlich eines der Zeichen für regenerierendes Knochenmark.

Die jeweilige Abwehrsituation wird in der Anzahl der weißen Blutkörperchen deutlich. Wenn der Tierarzt im Labor die Zelltypen genauer analysieren möchte, muss er den Blutausstrich auswerten. In Verbindung mit einer akuten Entzündung steigen die Granulozyten, was in einer Erhöhung der Leukozyten deutlich wird. Im Vergleich dazu können chronische Erkrankungen oder ein schwaches Immunsystem zu fallenden Leukozyten führen. Nicht selten verschieben sich im Verlaufe einer Entzündung die Zellzahlen. So sind die Veränderungen im Zusammenhang mit dem Stadium der Erkrankung zu sehen.

HämatologieVerändern sich zum Beispiel die Lymphozyten, kann dies ein Zeichen für eine Erkrankung des Abwehrsystems sein. Werden aus dem Blutbild vermehrte Granulozyten deutlich, könnten diese auf eine parasitäre Infektion verweisen. Vielleicht neigt das Tier zu einer Allergie. An dieser Stelle dürfte deutlich werden, dass die Blutwerte und das Blutbild wertvolle Anhaltspunkte für Erkrankungen liefern können. Es wäre jedoch fatal, einzig und allein auf die Abweichung einzelner Blutwerte eine eindeutige Diagnose zu fällen.

Hämatologie Blutaustrich beim Hund
Quelle: https://www.grossesblutbild.de/grosses-blutbild.html

Die detailliert erklärte Werte beim Hund in der Übersicht

Alkalische Phosphatase (AP): Hier haben wir es mit einem Enzym zu tun, das im Gewebe wie in den Knochen und in der Leber auftaucht. Eine Erhöhung dieser Blutwerte kann auf ein Cushing-Syndrom und auf eine Lebererkrankung hinweisen.

Amylase (AMYL): Die Bauchspeicheldrüse produziert dieses Enzym, um die Verdauung anzuregen. Erkrankungen dieses Organs führen zu einem Anstieg der Amylase.

Alaninaminotransferase (ALT): Verletzungen und Erkrankungen der Leber machen sich in einem Anstieg der Enzyme bemerkbar.

Gesamt-Bilirubin (TBIL): Das ist ein Abfallprodukt, das beim Hämoglobinabbau entsteht. Es ist ein Teil im Gallensekret und verweist bei zu hohen Blutwerten auf eine Anämie sowie mögliche Erkrankungen der Leber.

Kreatinin (CREA): Das ist ein Nebenprodukt, das im Muskelstoffwechsel entsteht und normalerweise über die Niere abgegeben wird. Seine Werte steigen bei Harnstauung, Dehydrierung und Nierenerkrankungen an.

Albumin (ALB): Dieses Protein bildet die Leber. Sinkt der Albuminwert im Blut, kann dies ein erster Hinweis auf eine chronische Erkrankung der Nieren und der Leber sein. Auch bei Infektionen des Magen-Darm-Trakts können diese Werte ansteigen.

Blutharnstickstoff (BUN): Von der Leber produziert und den Nieren ausgeschieden verweisen erhöhte Werte im Blutharnstickstoff auf einen möglichen Zustand der Dehydrierung oder Nierenerkrankungen.

Cholesterin (CHOL): Erhöhte Cholesterinwerte sind für zahlreiche Erkrankungen verantwortlich. Neben genetischen Defekten kann eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegen. Darüber hinaus können die Tiere unter Nieren- oder Leberbeschwerden leiden.

Gesamteiweiß (TP): Die TP-Werte können verantwortlich für unterschiedliche Erkrankungen sein. Die Palette reicht von Infektionen des Magen-Darm-Trakts über die Nieren und die Leber bis hin zur Dehydrierung.

Phosphor (PHOS): Zumeist verweisen erhöhte Phosphorwerte auf vorliegende Nierenerkrankungen.

Blutzucker/Glucose (GLU): Eine der häufigsten Ursachen für den Anstieg des Blutzuckers ist Diabetes mellitus. Tauchen im Blutbild zu niedrige Werte auf, kann eine bestimmte Tumorart, eine Infektion oder eine Erkrankung der Leber vorliegen.

Kalzium: Für eine Erhöhung dieser Blutwerte beim Hund sind zumeist die Nebenschilddrüse und die Nieren verantwortlich. Es könnte sich aber auch um einen Tumormarker handeln.

Wie können Tierhalter die Blutwerte beim Hund lesen?

Es lohnt sich, sich mit den Blutwerten beim Hund auseinanderzusetzen. Fortan können Sie das Blutbild für den Vierbeiner besser verstehen. Eine der größten Herausforderungen sind die lateinischen Fachbegriffe und die Abkürzungen. Den meisten Tierbesitzern sind die regulären Normwerte nicht bekannt. Grundsätzlich lassen sich bei den Blutwerten die Blutkörperchen, die Nieren- und Leberwerte von den Bauchspeicheldrüsen- und Schilddrüsenwerten unterscheiden.

Die oben genannte Liste stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es würde den Rahmen des Beitrags sprengen, jede Abkürzung der Blutwerte und ihre Bedeutung detailliert vorzustellen. Wir haben uns darauf beschränkt, die wichtigsten Blutwerte übersichtlich zusammenzustellen und euch einen ersten Eindruck über die Komplexität der Bedeutung zu geben.

Labor

Quellen:

  • Tierärzteverband über die Blutuntersuchung:  mehr↑
  • Blutbild lesen: Tierheilpraxis Elisabeth Caspers: abgerufen
  • Hämatologische und klinisch-chemische Referenzwerte für Hunde, Tierärztliche Fakultät
    der Ludwig-Maximilians-Universität München von Anke Schäfers PDF
  • weiterlesen: Blutplasma bei Haustieren